The Walking Dead – Staffel 2

TWD2

„Christ promised the resurrection of the dead. I just thought he had something a little different in mind.“

Da ich mir Serien prinzipiell nur legal und auf DVD/BluRay zu Gemüte führe, hinke ich der Masse natürlich brutal hinterher. Wenn ich die DVD dann noch, wie im Fall der zweiten Staffel der Comicserie The Walking Dead, deutlich nach dem Erscheinungstermin kaufe, kann das durchaus vorkommen, dass ich noch mitten in der zweiten Staffel bin, während im TV bereits die dritte Staffel ihr Ende gefunden hat. Wirklich störend ist das aber nicht, zumindest nicht, wenn ich nicht gespoilert werde. Für diejenigen, die sich die in der Folge besprochene Staffel noch nicht zu Gemüte geführt haben, warne ich an dieser Stelle auch gleich vor solchen Spoilern.

Die Gruppe der Überlebenden macht sich weiter auf die Reise, nachdem der Vorfall am CDC zahlreiche Opfer forderte und die Moral der gesamten Gruppe auf den Tiefpunkt sinken liess. Diese wird ein weiteres Mal erschüttert, als die kleine Sophia auf der Flucht vor Zombies spurlos verschwindet. Auf der Suche nach ihr findet die Gruppe die Farm des strenggläubigen Hershel, auf der sie Kräfte tanken können und weiter nach dem verschwundenen Mädchen suchen. Doch innere Konflikte und dunkle Geheimnisse hängen auch hier wie ein dunkler Schatten über den Überlebenden…

Die erhöhte Anzahl Folgen (13 statt 6) erweist sich nicht wie erwartet als Chance, mehr aus den unterschiedlichen Figuren herauszuholen, sondern ist vielmehr ein Fluch für die Macher, die mit den Charakteren nicht viel anzufangen wissen und sie zu inhaltslosen Hüllen degradieren – da unterscheidet sie nicht viel von den Zombies, vor denen sich alle fürchten. Die Macher nehmen sich nur so viel Zeit für die Figuren, wie sie gerade brauchen, um den Plot voranzutreiben, was Charaktere wie T-Dog oder Carol in den Hintergrund rücken lässt. Und Kinderdarsteller hin oder her, Chandler Riggs in der Rolle des Carl ist zeitweise grässlich unglaubwürdig. Dass man dafür dann umso mehr Aufwand betreibt um Shane zu einem klischierten Antagonisten aufzubauen, ist weiter bedauerlich, da der Zuschauer damit sämtliches Interesse an der Figur verliert. Etwas mehr Tiefe und Zwiespalt hätte dieser Figur einen gewissen Charme, wie wir ihn von Sawyer aus LOST kennen, verleihen können.

Diesen Part kann zu einem gewissen Mass Daryl einnehmen, wenn auch nicht ganz. Trotzdem ist der schräge Vogel mit der Armbrust und dem Herz für Sophia eines der Highlights dieser Staffel – zusammen mit Hershel und seiner Familie. Ausserdem wird beziehungstechnisch aufgeräumt in dieser Staffel: Rick und Lori können endlich reinen Tisch machen, während Glenn und Maggie eines der herzigsten TV-Pärchen überhaupt abgeben. Ebenfalls keine Sorgen machen müssen wir uns um die Spannung, der Wechsel zwischen Gruselmomenten und ruhigen Szenen (wobei selbst diese nie ganz ruhig sind, irgendwelche Konflikte gibt es immer) funktioniert perfekt und es gibt selbst für Kenner der Comicvorlage, an die sich die Serie zwar ganz gut hält, den ein oder anderen (derben, notabene) Schocker, der dafür sorgt, dass man nie vergisst, was hier effektiv auf dem Spiel steht. Die Bedrohung durch die Zombies ist aber über grosse Strecken nur eine nominelle, der Konflikt der Überlebenden steht – leider, so muss man sagen – sehr stark im Vordergrund.

"Look at my shit!"
„Look at my shit!“

Gegenüber der ersten Staffel verliert die zweite Staffel von The Walking Dead etwas an Drive – es tauchen erste Müdigkeitserscheinungen auf, die es eigentlich so nicht geben müsste. Doch die Macher nutzen das Potential der doppelten Episodenzahl nicht und schaffen es nicht, der Serie mehr Tiefe zu verleihen. Das muss dann wohl die 3. Staffel richten – mir solls recht sein.

  • Sascha

    „Da ich mir Serien prinzipiell nur legal und auf DVD/BluRay zu Gemüte führe, hinke ich der Masse natürlich brutal hinterher.“
    Walking Dead läuft freitags auf FOX via Sky (kein Plan wie das in der Schweiz ist) oder du kannst dir die Episoden direkt über iTunes kaufen, wenn du kein Abo haben willst 😉

    Aber sehr schöne Review, stimme dir voll zu.

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  • Fincky

    Ich war von der zweiten Staffel regelrecht begeistert. Hat aus meiner Sicht die erste Staffel noch leicht getoppt. Schade nur, dass die dritte Season in eine völlig andere Richtung geht und in extreme Lost-Gefilde abgedriftet ist.

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  • Walter_West

    Hatte bisher die ersten beiden Staffeln gesehen (Videothek) und die Sammelbände 1-16 von CrossCult gelesen. Finde, die Serie kann kaum mit den Comics mithalten, weder von der Spannung noch von den Figuren her. Das Finale der 1. Staffel war totaler Käse und die 2. Staffel hatte einige unglaubwürdige Szenen. Hab mich zwar nicht an Carl gestört, doch wenn jemand auf dem Wohnwagen nach Zombies Ausschau hält, sie dann sieht und plötzlich werden sie schon überrannt, obwohl’s ja die klassischen Hinker sind, dann passt mir das nicht. Oder wenn Rick durch’n Wald hetzt, eigentlich genau weiß, dass er die Knarre nicht benutzen kann, aber trotz der ständigen Bedrohung keine Schlagwaffe bei sich führt. Da wundere ich mich echt, inwiefern Robert Kirkman tatsächlich an der Serie mitwirkt und warum auf sowas kein Einfluss genommen wird, warum das nicht gesehen bzw. durchgelassen wird.

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  • Kevin

    Ja, also ich muss leider auch sagen, dass The Walking Dead eigentlich schon in der zweiten Staffel und spätestens jetzt – in der dritten Staffel – so ziemlich den Shark gejumpt hat, wie der Ami sagen würde.

    Tipp für die nächste Serie: Homeland! 🙂

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  • donpozuelo

    Ich mochte die zweite Staffel. Aber ich gebe dir Recht: Carl war irgendwann echt unmöglich. Das doofe Kind hätte ich ein paar Mal nur zu gerne an Zombies verfüttert. Ich habe von vielen gehört, dass sie mit der zweiten Staffel unzufrieden waren, aber ich fand sie ganz unterhaltsam. Und da ich ja die Comics gelesen habe, hoffe ich zumindest auch, dass Staffel 3 einiges mehr zu bieten hat.

    Und Kevins Tipp zu „Homeland“ kann ich nur unterstützen. Tolle Serie!!!

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  • Alice

    Habe gerade gestern Season 3 fertig geschaut und das Urteil bleibt eigentlich auch nach drei Seasons dasselbe:
    Ich rege mich immer mal wieder auf über die Handlungen aller Charaktere, liebe aber alles in allem irgendwie doch jeden und sterbe bei jedem Tod ein bisschen mit auch wenn mich diese Person genervt hat.

    Kirkman meinte ausserdem Anfangs Woche, Comics und Serie werden weiterhin voneinander abweichen (gerade was das Überleben einzelnen Charaktere angeht) sich aber vielerorts immer noch überschneiden, was die Gesamtsituationen angeht.

    Jetzt fehlt nur noch, dass Charaktere aus dem Game von Telltale in der Serie auftauchen.
    Aber bitte gut geschrieben.

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