Game of Thrones – Staffel 2

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„A very small man can cast a very large shadow!“

Bei einer Serie, deren Vorlage so umfangreich ist, wie bei Game of Thrones, ist eine 1:1-Umsetzung natürlich immer schwierig. Dass es HBO aber nichtsdestotrotz schaffte, der Vorlage dermassen gerecht zu werden, erstaunt, und macht Hoffnung für die TV-Zukunft. Die erste Staffel hatte zwar ihre kleinen Kratzer im Lack, die aber nie gross genug waren, als dass sie mir die Freude an dieser Serie verderben konnten. Und so war natürlich die Freude gross, als eines Tages die DVD der zweiten Staffel dieser Serie bei mir im Briefkasten lag…

Viele Könige, aber nur ein Thron – Momentan sitzt darauf Joffrey Baratheon, der Sohn des verstorbenen König Robert, und dessen rechtmässiger Erbe. Anderer Meinung ist da aber Stannis, Roberts jüngerer Bruder, der behauptet, dass Joffrey einer Affäre zwischen seiner Mutter und deren Bruder entsprungen sei, und der deshalb selber Anspruch auf den Thron erhebt. Auch der dritte Bruder, Renly, greift nach dem Thron und ist der Auffassung, dass Stannis keinen guten König abgeben würde. Doch nicht alle Könige stammen aus der Familie, im Norden gibt es mit Robb Stark einen König, der Joffrey aus ganz einem anderen Grund den Krieg erklärt hat, tötete dieser doch seinen Vater, Eddard Stark. Und im weit entfernten Qarth lechzt Daenerys, die Mutter der Drachen und Tochter des von Robert entthronten Aerys Targaryen, ebenfalls nach dem Eisernen Thron…

Die zweite Staffel weicht in vielen Dingen noch stärker ab von der Buchvorlage, als die erste Staffel, doch ich habe mich mittlerweile eingekriegt, und kann mit Änderungen und herausgestrichenen Charakteren leben – denn meist machen diese Kürzungen eben wirklich Sinn. Dennoch gibt es gewisse Elemente, die ich schmerzlich vermisst habe, da sie doch recht elementar für den Plot sind. Brans für das künftige Geschehen recht relevanten Träume werden beispielsweise völlig in den Hintergrund gerückt, ebenso Jojen Reed, dessen Part zwar die krakenfickende Osha übernimmt. Auch wie Jon zu den Wildlingen gelangt ist etwas störend – wird so doch sein ganzes „for the benefit of the realm“ abgeschwächt, da er die Entscheidung aus eigenem Willen trifft, und sie sich nicht aufzwingen lassen muss. Und halt die kleinen Abweichungen, wie dass Asha jetzt Yara heisst, oder dass Dagmar Cleftjaw keinen cleft-jaw hat, die sich mir nicht wirklich erschliessen. Andere Änderungen dagegen, wie dass Arya in Harrenhal direkt auf Tywin Lannister trifft, sind pures Gold und erweisen sich als Bereicherung für die Serie. Die Unterhaltungen der Beiden sind ein riesiger Spass.

Viel wichtiger ist es aber, festzuhalten, wie gut, das, was akkurat umgesetzt wurde, umgesetzt wurde. Allen voran die Schlacht im Blackwater in der neunten Episode, die nicht nur das Budget ordentlich strapaziert hat, sondern auch die Grenzen des im TV Möglichen weiter hinausgeschoben hat. Erzählerisch, aber auch choreografisch und technisch (hallo ABC, so macht man schicke Explosionen) ist das nämlich grosse Klasse, auch wenn ein recht entscheidendes Element ausgelassen wurde. Aber trotzdem ist das extrem beeindruckend. Dass der Zuschauer bei solch einer Schlacht mit sovielen verschiedenen Beteiligten und an doch drei unterschiedlichen Schauplätzen nicht den Überblick verliert, ist den Machern hoch anzurechnen. Wenn man sich dann noch in Erinnerung ruft, wie wenig CGI da am Werk war, dann fällt einem die Kinnlade gleich noch drei Etagen tiefer. Und als wäre es nicht schon genug der Epicness, sorgen The National im Abspann noch für zusätzliche Gänsehaut. Musikalisch ist diese Staffel auch was den Score betrifft noch einen Ticken besser als die erste, Ramin Djawadi gibt im zweiten Durchgang nochmal alles und wartet mit neuen und spannenden Themen auf.

Und nicht zu vergessen – die Schauspieler, die in dieser Staffel grossartige Arbeit leisten. Jack Gleeson hat als Joffrey nach dieser Staffel den Titel des verhasstesten Bösewichts im Fernsehen definitiv verdient und dürfte nicht lange auf tolle Rollenangebote warten. Auch die anderen Jungdarsteller spielen ihre Rollen glaubhaft, besonders gefällt mir Maisie Williams als Arya Stark. Daneben erblassen selbst die solide aufspielenden alten Eisen wie der perfekt gecastete Liam Cunningham als Davos Seaworth oder Charles Dance als Königsgrossvater Tywin Lannister. Nicht weiter nötig zu erwähnen, dass auch Peter Dinklage und Nikolaj Coster-Waldau, die mit Game of Thrones erst so richtig ihren Durchbruch feiern durften, erneut perfekt aufgelegt sind und in ihren Rollen gefallen. Lediglich Stannis Baratheon ist mit Stephen Dillane in meinen Augen etwas miscasted, er wirkt mehr wie eine alte Version von Joffrey, als wie ein stolzer König. Da hätte ich mir dann doch lieber einen Darsteller vom Kaliber eines Ciaran Hinds gewünscht… aber der ist ja auch schon vergeben.

ERMAHGERD, WERNTRFERLL!
ERMAHGERD, WERNTRFERLL!

Die zweite Staffel von Game of Thrones ist deutlich besser gelungen als noch die erste, und auch wenn es immer noch die ein oder andere mir nicht ganz verständliche Änderung gab, so gefällt mir diese Serie nun gleich noch viel besser. Was in diesen zehn Folgen geboten wird, zählt definitiv zum Besten, was das Fernsehen zu bieten hat und macht Lust auf mehr.

Schönste Brüste in Staffel 2: Natalie Dormer („What Is Dead May Never Die“)

  • Lukas

    Stimme dir eigentlich ausnahmslos zu. Bis auf bei Stephen Dillane, den find ich wiederum eigentlich ziemlich perfekt gecasted, auch wenn er etwas eindimensional im Vergleich zur Buchvorlage daherkommt. Aber – voll der Spoiler und so – das wird in Staffel 3 deutlich besser.
    Und im Ernst: „Blackwater“ ist bis jetzt das definitiv beste und beeindruckendste, was ich je im Fernsehen (also Nicht-Film) gesehen hab.

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  • Philip

    Schon eine sehr gut gelungene Review ist das. Die zweite Staffel hat mir insgesamt auch wirklich außerordentlich gut gefallen, allem voran natürlich auch Blackwater. Die Musik, der Cast, die Umsetzung, eigentlich alles hat trotz einiger Abweichungen zur Buchvorlage gepasst.

    Die ausgewählten Bilder sind übrigens auch sehr gut. Ich arbeite gerade an einer Review zu Season 3. Wo hast du die bezogen und wie sieht das mit dem Copyright aus?

    Liebe Grüße, Philip

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  • donpozuelo

    Ich war nur ein wenig vom Finale enttäuscht. Die große Seeschlacht kommt im Buch mal sehr viel gigantischer rüber. Da war das hier schon fast ein bisschen lahm. Trotzdem bleibt die Serie große Klasse!!!

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  • Sascha Weiss

    Gestern habe ich mir die letzte Folge vom 3 Staffel angeschaut. Die Serie ist immer noch Spitze, leider muss man wieder ca. 1 Jahr lang warten, bis der 4 Staffel startet. Hab im letzten Sommer nicht ausgehalten und alle fünf Bücher in einem halben Jahr gelesen 🙂

    Wann gibt es ein Review von 3 Staffel bei dir?

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  • Sascha Weiss

    also es muss nicht immer illegal sein 🙂 Bei Sky Atlantic (sky go) war GoT 3 wenige Stunden nach HBO in Originalfassung verfügbar, mit der deutschen Synchronisation läuft es gerade die 5 Folge,
    gruß

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