Scheibenkritiken #13

Scheibenkritiken13

Auch in dieser Ausgabe meiner Scheibenkritiken nehme ich vier neue Alben genauer unter die Lupe – zwei davon, The 20/20 Experience – 2 of 2 von Justin Timberlake und Eminems The Marshall Mathers LP 2 knüpfen an frühere Alben an, wobei zwischen den jeweiligen Platten unterschiedlich viel Zeit liegt: Bei Eminem sind es 13 Jahre, bei JT gerade mal sechs Monate. Die Runde komplettieren Agnes Obel mit ihrem zweiten Album Aventine und Moby mit Innocents.

Agnes Obel – Aventine

Agnes Obels erstes Album war so schön und verträumt und einfach vollkommen, dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass das Nachfolgewerk dieses Niveau halten könnte. Doch die schöne Dänin straft mich, und alle Zweifler Lügen – denn Aventine spielt problemlos in der selben Liga wie ihr Debüt Philharmonics und ist fast noch ein bisschen besser. Obel, eine grosse Verehrerin von Alfred Hitchcock und seinem reduzierten Stil, setzt auf der neuen Platte vermehrt auf instrumentale Titel – nur selten kommen wir in den Genuss ihrer tollen Stimme. Doch das ist nicht schlimm, denn Aventine ist so ein schönes Erlebnis, dass wir uns über jedes bisschen Musik freuen, egal, ob mit oder ohne Text.

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– PIAS (30. September 2013)

Justin Timberlake – The 20/20 Experience – 2 of 2

„Warum ein Album herausbringen, wenn man auch zwei herausbringen kann?“ muss sich Justin Timberlake wohl gedacht haben, weshalb er ein knappes halbes Jahr nach seinem dritten Album The 20/20 Experience einen nahezu gleichnamigen Nachfolger (nun einfach als The 20/20 Experience – 2 of 2 bezeichnet) herausbringt der zusammen mit dem ersten Album ein Ganzes bilden soll. JTs Plan will aber nicht ganz aufgehen, seine 20/20-Duologie ist zu opulent geraten und erdrückt den Zuhörer in ihrer Masse regelrecht und mit einer durchschnittlichen Laufzeit von sechs Minuten fallen die Titel auf diesem Album eindeutig zu lange aus. Schade, denn auch auf The 20/20 Experience – 2 of 2 gibt es durchaus interessante Ansätze. Wenn Timberlake seine beiden Platten um den langweiligen Kram gekürzt hätte und stattdessen ein Album mit ausschliesslich gutem Kram produziert hätte, wäre das mit Sicherheit besser herausgekommen.

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– RCA (27. September 2013)

Moby – Innocents

Für sein elftes Album Innocents wollte der amerikanische Musiker Moby nur drei kleine Konzerte vor seiner Haustüre geben. Die sind mittlerweile bereits durch, weshalb wir uns nun ungestört seinem Album widmen können. Der Urururgrossneffe von Moby Dick-Autor Herman Melville bleibt dem Weg, den er mit seinen letzten Alben Wait For Me und Destroyed eingeschlagen hat treu: Sphärische Melodien und experimentielle Klänge, getragen von Mobys unverkennbarer Stimme, dominieren auch auf Innocents. Auffallend sind diesmal die zahlreichen Collaborations (sieben auf zwölf Titel), die für eine gewisse Abwechslung und vorallem frischen Wind sorgen. Wer Moby mag, wird auch Innocents mögen – ein Album, das genug Neues bietet, damit man nicht gelangweilt ist, aber dennoch den Wurzeln des amerikanischen DJs treu bleibt.

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– Little Idiots (1. Oktober 2013)

Eminem – The Marshall Mathers LP 2

Nach drei Jahren Ruhe mischt Eminem mit seinem achten Album ein weiteres Mal die Musikwelt auf, und wenn man den Stimmen glauben will, ist der spirituelle Nachfolger zu seinem Hitalbum The Marshall Mathers LP seine beste Platte seit Langem. Tatsächlich präsentiert sich Em auf The Marshall Mathers LP 2 von seiner besten Seite: Der wortgewandte Rapper schiesst gegen alles und jeden und überschreitet dabei wiederholt Grenzen. Gleichzeitig regt er einen aber auch zum Nachdenken an und beweist eindrücklich, dass man ihn auch über ein Jahrzehnt nach seinem Durchbruch noch nicht abschreiben darf. Einer der stärksten Titel auf diesem Album ist in meinen Augen Headlights, in dem er sich mit seiner Mutter aussöhnt – bisher war das gespaltene Verhältnis zwischen den Beiden ein wiederkehrendes Motiv auf den Titeln von Slim Shady. Doch das ist nur eines von vielen Highlights: Bad Guy (mit The Blue Umbrella-Säuslerin Sarah Jaffe) ist ein starkes Quasi-Sequel zu Stan, während er auf So Much Better Jay-Zs 99 Problems-Zitat richtigstellt und in bester Kim-Manier gegen eine verflossene Liebe schiesst (und dabei noch mit einer Scott Pilgrim-Referenz aufwartet). Mit Berzerk wendet er sich dem Old School-Hip Hop zu und mit Rap God und Evil Twin stellt schliesslich unmissverständlich klar, wer der Beste ist: Er selber. Und damit hat er gar nicht so unrecht.

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– Shady Records (5. November 2013)

  • Verena

    Bei JT hatte ich eindeutig höhere Erwartungen. Schon beim ersten Teil. Und dann nochmal an den zweiten Teil. Leider finde ich beide Teile nicht besonders herausragend. Tanzbar, ja. Aber es scheint keinerlei Entwicklung zu FutureSex/LoveSounds (2006!) gegeben zu haben, da habe ich mir echt viel mehr versprochen. Schade! Und Timbaland nervt 😛

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  • Killerqueen

    Agnes Obel ist übrigens diesen Samstag und Sonntag im Kaufleuten live zu erleben. Der Samstag ist allerdings schon ausverkauft!

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