Inside Llewyn Davis (2013)

InsideLlewynDavis

„Everything you touch turns to shit. Like King Midas‘ idiot brother.“

Um den Film in den Worten von Joel Coen zusammenzufassen: „The film doesn’t really have a plot. That concerned us at one point; that’s why we threw the cat in.“ Ganz grob geht es in Inside Llewyn Davis um einen gescheiterten Folk-Musiker, der sein Leben alles andere als im Griff hat und unter anderem zusammen mit einer Katze versucht, den kühlen Winter irgendwie zu überstehen. Der sechzehnte Film der Coen Brothers ist eine Hommage an die Folk-Szene der 60er in New Yorks Greenwich Village und basiert lose auf der Biografie von Dave van Ronk.

Sich über die Figuren lustig machen und ihnen jegliches Unglück andichten, das ist keine Kunst. Die Genialität der Coen Brothers liegt vielmehr darin, wie sie die Zuschauer mit den Figuren mitleiden lassen und dadurch einen direkten Bezug zum Geschehen auf der Leinwand schaffen. Llewyn Davis etwa ist eigentlich ein ganz gewöhnlicher Versager, der beim Versuch, seinem Traum zu folgen, von einem Missgeschick zum Nächsten schlittert. Gespielt wird dieser Bilderbuch-Loser in Inside Llewyn Davis von Oscar Isaac, der damit endlich mal beweisen kann, dass er mehr als nur der schmierige Bad Boy von Nebenan ist. Erste Eindrücke von seinen gesanglichen Fähigkeiten gab es ja bereits in Sucker Punch, sodass es nicht wirklich überraschen dürfte, dass er auch hier zu überzeugen weiss.

Die Musik ist es auch, die dafür sorgt, dass es uns bei der Sichtung dieses Films nie wirklich wohl ist. Zusammen mit dem winterlichen und dadurch sehr unwirtlichen Setting sorgt sie für eine melancholische Atmosphäre, die dieses Underdog-Drama fest in ihrem Griff hat. Fehlen darf natürlich auch hier nicht der schwarze Humor, den man von den Coen Brothers kennt und liebt. Anders als bei ihren früheren Werken, wie The Big Lebowski wirkt dieser aber deutlich erwachsener und nicht mehr ganz so vorpubertär. John Goodman zerstreut diesmal keine Asche im Gegenwind, sondern siecht vielmehr ganz unscheinbar auf dem Rücksitz eines Autos dahin. Diese Entwicklung tut nicht nur dem Schaffen der von Ethan und Joel Cohen gut, sondern ganz konkret auch Inside Llewyn Davis, der damit zu den glaubwürdigeren Werken der beiden Brüder zählt.

"So where is the Deluxe version, now?"
„So where is the Deluxe version, now?“

Die Gratwanderung zwischen glaubhafter Figurenzeichnung und bitterbösem Humor haben die Coen Brothers schon immer beherrscht und das ist auch bei Inside Llewyn Davis nicht anders. Der Film mit Oscar Isaac als gescheitertem Musiker ist ihr erwachsenster Film und mit ziemlicher Sicherheit der beste Film, den ihr dieses Jahr sehen werdet.

10 Sterne

  • Alan

    Erwachsener als ‚The Man Who Wasn’t There‘? Erwachsener als ‚No Country for Old Men‘?

    AntwortenAntworten
  • Kryll

    Die Coen Brothers sollen einen vorpupertären Humor gehabt haben? Wann?

    AntwortenAntworten
  • donpozuelo

    „The Big Lebowski“ und vorpubertär in einem Satz??? Das kann ich so nicht durchgehen lassen 😀 Nix geht über den Dude… das war einfach nur perferkt absurdes und großartiges Kino.

    Aber auf „Inside Llewyn Davis“ freue ich mich auch schon sehr… schließlich haben die Coens ja schon mit „O Brother Where Art Thou“ gezeigt, wie sehr ihnen die Musik am Herzen liegt.

    AntwortenAntworten

Kommentar schreiben