Mulan (1998)

Mulan

DisneyThirty3

„She’s a hero.“ – „She’s a woman! She’ll never be worth anything!“

Im alten China steht ein Krieg mit den Hunnen bevor. Aus diesem Grund zieht die kaiserliche Armee einen Mann aus jedem Haushalt ein. Um ihren kranken Vater vor dem Krieg zu bewahren, beschliesst die sture Mulan, seinen Platz einzunehmen. Als Mann verkleidet wird sie schnell zu einer zentralen Figur im Kriegsgeschehen. Was für mich die Disney Renaissance so wertvoll macht, ist die Tatsache, dass die Macher mit ihren Filmen immer wieder mutige Entscheidungen trafen, die nicht selten mit dem klassischen Disney-Image brachen. Auch nach dem Abgang von Jeffrey Katzenberg änderte sich an dieser Handhabung nichts: Mulan ist wie schon seine Vorgänger ein Film mit einer starken Titelheldin und frischen Ideen.

Der Film von Regie-Duo Tony Bancroft und Barry Cook behandelt eine erwachsene Story, die die kulturellen Einflüsse respektiert und keine Kompromisse eingeht. Analog zu Pocahontas versteht sich der Film als Kritik an patriarchalen Konventionen. Mulan ist eine hartnäckige Figur, die sich von niemandem vorschreiben lässt, was sie zu tun hat und dem klassischen Rollenbild der Frau nicht viel abgewinnen kann. Um diesem Statement mehr Gewicht zu verleihen, haben Bancroft und Cook auch die Story zurechtgerückt: Während die Soldaten in der Legende erst Jahre später herausfinden, dass Mulan in Wahrheit eine Frau ist, erfahren sie es im Film schon während des Krieges. Das ist insofern zentral, als dass es den Machern die Möglichkeit gibt, die Geschlechterfrage direkt zu thematisieren und letztlich mit den Figuren Stellung zu beziehen. Alleine schon aus diesem Grund gilt Mulan für mich als eines der wichtigsten Werke des Studios.

Mulan markiert zudem einen musikalischen Neustart – nachdem er für sechs Filme die Musik schrieb und dafür mit acht Oscars ausgezeichnet wurde, wird Komponist Alan Menken bei diesem Film nun von einem neuen Team abgelöst. Für den Score ist diesmal Filmmusiklegende Jerry Goldsmith zuständig, während die Songs von Matthew Wilder und David Zippel geschrieben wurden. Und der Frühlingsputz in der Musikabteilung tut dem Film gut: Mulan stellt mit seinen berührenden Themen und eingängigen Gesangseinlagen einen der stärksten Soundtracks der Disney-Geschichte. Auch die Animationen haben erneut (wie bei fast jedem Beitrag der Disney Renaissance) einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht. Nicht nur sitzt endlich das 3D, auch der Look und das Charakterdesign, die im minimalistischen Stil der chinesischen Wasserfarbenmalerei gehalten sind, können bestens gefallen.

Da ich als Kind nicht viele Disney-Filme gesehen habe, war Mulan schnell einer meiner Favoriten. Doch auch jetzt, wo ich mich durch sechzig Jahre Disney-Geschichte geackert habe, zählt der Film für mich noch immer zu den besten Werken des Studios. Mulan kann durch eine erwachsene aber auch witzige Story gefallen und überzeugt zudem durch seinen starken Look und die coolen Songs. Einfach nur perfekt!

10 Sterne

  • Roberto

    Perfekt! Ich hab lange auf dein Review zu MULAN gebangt, da der Film auch zu meinen absoluten TOP ALL-TIME FAVORITES zählt – und ich bis anhin nicht wusste, dass das bei dir auch so ist. Bin mit deinem Review völlig einverstanden! Brilliante, hervorragende Musik, erwachsene und dennoch witzige Story, eindrückliche Bilder und epochale, bleibende Optik! Wenn die Hunnen auf dem Pass auftauchen und angreifen, hat das schon was von Lord of the Rings im Disney-Look… Ich werde nie müde, den zu schauen. Auch nach über 12 Jahren nicht!

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