Owley am ZFF 2017: 16 bis 20

Tag 6: Dienstag, 3. Oktober 2017

Es ist bereits der sechste Tag des Zurich Film Festival und ich bin ein bisschen überrascht, wie gut ich bisher durchgehalten habe. Ich habe noch keine Pressevorführung verpennt, und das will etwas heissen, schliesslich sind die jeweils für meine Verhältnisse sehr früh am Morgen. Ich bin zurecht stolz auf mich. Der heutige Morgen begann gleich mit zwei Filmen, die nach Boston führen.

«Stronger» (3/5) von David Gordon Green thematisiert den Anschlag am Marathon vom 15. April 2013. Das Drama erzählt die Geschichte von Jeff Bauman, der damals an der Seitenlinie stand und beide Beine verlor. Der vielseitige Filmemacher wagt sich nach derben Buddy-Comedies («Pineapple Express») und nüchternen Indie-Remakes («Prince Avalanche») nun also an Oscar-Bait. Der Plan geht nur bedingt auf, Jake Gyllenhaal spielt zwar solide, der Film bietet jedoch zu wenig Neues um bis im Februar durchhalten zu können. Und: «Stronger» bleibt uns bis zum Schluss eine Erklärung für seinen Titel schuldig.

Vor dem Kino treffe ich Nicoletta, die für Blogbusters schreibt. Seit einigen Jahren sind wir quasi «Festivalbuddies» und verbringen zusammen viel Zeit während des Zurich Film Festival. Entsprechend freue ich mich, dass wir uns nun am sechsten Festivaltag endlich treffen – auch wenn der Anlass dafür «Brad’s Status» (2/5) heisst. Der Film mit Ben Stiller war bei mir eigentlich beim ersten Trailer bereits durchgefallen und ich schaue ihn mir nur an, um eine Lücke zu füllen. Als Lückenfüller taugt «Brad’s Status» dann auch bestenfalls. Die Dramedy über einen Vater, der in Boston mit seinem Sohn Colleges besucht und so irgendwie mit seiner Midlife Crisis klarzukommen versucht, hat sich bereits nach einer halben Stunde totgelaufen und ist ab da nur noch ermüdend.

Wir setzen uns vor das Festivalzentrum, wo die Sonne zum ersten Mal seit Tagen wieder scheint. Ich sehe mich mit einem Dilemma konfrontiert – in der Sonne ist es mir zu heiss, im Schatten friere ich. Die Lösung lautet, wie immer: Kaffee. Den besten solchen gibt es am Zurich Film Festival (und eigentlich auch sonst) beim Vicafe, das sich neben einer Apotheke eingenistet hat und mehr wie ein Marronistand als eine Kaffeetheke aussieht. Mir wird schlagartig bewusst. wie sehr ich meinen Lieblingskaffe als Exil-Zürcher vermisse.

Auch heute habe ich wieder eine Reprise eingeplant, wieder soll es ein Film mit Glenn Close sein, wieder ein Film, den ich noch nie gesehen habe: «Air Force One» (5/5). Für mich als Liebhaber von 90’s-Action-Filmen und vorallem dem «One Good Guy Against Many Bad Guys»-Subgenre ist der Film mit Harrison Ford als US-Präsident, dem sein Flugzeug von Terroristen entführt wird, natürlich ein Freudenfest.

Mein letzter Film heute folgt direkt im Anschluss: «Le Fidèle» (5/5) von Michaël R. Roskam. Der belgische Filmemacher hat vor einigen Jahren bereits mit «The Drop» stark vorgelegt und ich hatte nicht damit gerechnet, dass er das noch einmal toppen kann. Doch das berührende Drama über eine Rennfahrerin, die mit einem Bankräuber anbandelt (darum auch der schreckliche internationale Titel «Racer and the Jailbird») ist für mich nicht nur einer der besten Beiträge des Zurich Film Festival, sondern auch des laufenden Kinojahres.

Und damit steigt die Zahl meiner am Zurich Film Festival gesehenen Filme auf 20 – ich habe mir also meinen Feierabend also verdient.

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