Same Same But Different (2010)

„Ich sehe dich im nächsten Leben.“

Vor ein paar Jahren habe ich das autobiografische Buch Wohin du auch gehst von Benjamin Prüfer gelesen, das gleichzeitig auch als Same Same But Different mit David Kross in der Hauptrolle verfilmt wurde. Den Film habe ich dagegen im Kino verpasst, und auch als er auf DVD erschien, habe ich ihn lange nicht gekauft. Letztlich hat der Film aber dann doch den Weg in meine Hände gefunden.

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Graval liest: Benjamin Prüfer – Wohin du auch gehst

Das Buch, das ich euch heute vorstellen möchte, ist wohl besser unter dem Titel Same Same – But Different bekannt. Es liefert die Grundlage für den gleichnamigen Film von Detlev Buck, den ich im Kino sehen wollte, es jedoch verpasst habe. Leider. Auch wenn ich nicht sicher bin, ob der Film der Buchvorlage gerecht hätte werden können, ich glaube nicht, da mir der Film auf die Lovestory reduziert scheint.

Benjamin Prüfer – Wohin du auch gehst

Als der Film in die Kinos kam, wurde mein Interesse geweckt, und als ich dann das Buch im Laden sah und bemerkte, dass es die Vorlage zum Film bildete, musste ich es einfach kaufen. Dass ich dann den Film jedoch verpasst habe, ist das ironische I-Tüpfelchen. Auch die Hintergrundberichte zum Buch haben mich fasziniert, und sind ebenfalls sehr informativ, wenn man sich Zeit nimmt, sie sich anzusehen. Ich habe zwar schon einige Gedanken zum Buch gebloggt, doch das hindert mich nicht an einer etwas ausführlicheren Review 🙂

Story

Benjamin Prüfer erzählt die Geschichte von sich und Sreykeo, einem Barmädchen, das er in Phnom Penh kennenlernte. Die beiden verlieben sich allmählich ineinander, doch der Abstand zwischen Deutschland und Kambodscha soll längst nicht das einzige Problem bleiben. Als bei Sreykeo AIDS diagnostiziert wird, ist Ben eine der letzten Personen, die ihr beisteht – auch wenn er selbst noch nicht ganz genau weiss, wie weit er mit Sreykeo letztlich gehen will.

Graval findet

Dieses Buch ist eins der besten, wenn nicht das beste Buch, das ich gelesen habe. Ergreifend und trotzdem nicht realitätsfern schildert Benjamin Prüfer, wie er Sreykeo kennenlernte, wie sie ihm die kambodschanische Lebensweise näherbrachte, wie er unzählige Tage mit ihr in Kambodscha verbrachte. Prüfer schreibt, wie er denkt. Er vertuscht keine Tatsachen (zumindest erwähnt er auch negative Aspekte der Beziehung, sodass ich mir nicht vorstellen kann, dass er etwas unter den Teppich gekehrt hat), aber er schreibt auch nicht boulevardmässig – sprich: Man kann sich mit ihm identifizieren, man kann nachvollziehen, wenn er Zweifel an der Beziehung äussert, ohne ihn für ein dämliches Arsch zu halten. Mir gefällt, dass er sich und Sreykeo als Menschen zeigt, und ihre Stärken wie ihre Schwächen beschreibt.

Der Kulturschock, der sich als Westler in diesem Land wahrscheinlich zeigt, wird glaubhaft geschildert und die Situationscomedy, die jeweils entsteht, wenn zwei Welten aufeinandertreffen, ist immer wieder amüsant zu lesen. Nach diesem Buch will man mehr. 🙂

Das letzte Wort

Man kann HIV nicht heilen. Aber man kann es besiegen.

Wohin du auch gehst

Eigentlich wollte ich über das Buch von Benjamin Prüfer erst schreiben, wenn ich es durch habe. Naja, ein bisschen früher schadet auch nicht. Der Autor schreibt darin über seine Beziehung zu Sreykeo Sorvan, die er 2003 in Kambodscha als Prostituierte kennenlernte, und bei der kurz darauf HIV diagnostiziert wurde. Das Buch ist schön geschrieben und Prüfer schreibt ehrlich und glaubhaft. Er versucht sich nicht als „Retter“ darzustellen, sondern zeigt auch seine Gewissensbisse und Zweifel an der Beziehung und an sich selbst. Das Buch ist rührend, und nicht etwa kitschig, sondern einfach durch kleine Anekdoten wie Sreykeos „Lovebook Sreykeo and Benjamin Prufer“ oder die kindliche Art von Sreykeo, die einer Krabbe „night-night“ wünschte.

Was mich bewegt hatte, diesen Post schon jetzt zu schreiben, waren die Artikel über die Beziehung, die Prüfer verfasst hatte, und die ich eben entdeckt habe. Sogar ein Video habe ich gefunden, das einem ein Bild vom Autoren und Sreykeo gibt. Man kann sich über die umfassende Berichterstattung über die beiden sowie den Kinofilm dazu „Same Same – But Different“ denken was man will, meiner Meinung nach finde ich es jedoch sehr wichtig, dass die Thematik Aids auch je länger, je mehr ins öffentliche Interesse gerückt wird.

Ich weiss auch nicht, ob ich den Kinofilm sehen werde, obwohl ich mich riesig darauf gefreut habe. Ich bezweifle, dass der Film dem Buch gerecht werden kann, denn das Buch kann und darf nicht nur auf die Lovestory reduziert werden, was ich befürchte, dass der Film tut.

Wer sich vor nackten Wahrheiten und einer schönen Liebesgeschichte nicht scheut, sollte das Buch unbedingt lesen.

Weiterführende Links:

Bildquelle: Die Fernsehagentur für jetzt.de