Snow White and the Huntsman (2012)

„Mirror, Mirror, on the wall, who is the fairest of them all?“

Ich habe mich bereits in meiner Review zu Mirror Mirror darüber aufgeregt, dass Snow White and the Huntsman andauernd auf den Vergleich mit Tarsem Singhs Film reduziert wird. Das ist unnötig und unseriös, da die Filme zwei völlig unterschiedliche Konzepte verfolgen und es daher soviel Sinn macht, sie zu vergleichen, wie zu behaupten, dass Heath Ledgers Joker besser war als Jack Nicholsons. Mirror Mirror wäre die lustige, abgedrehte und bunte Jack Nicholson-Joker-Adaption, während Snow White and the Huntsman durchaus als düsteres Epos im Heath Ledger-Look bezeichnet werden darf. Das ist tatsächlich ein ziemlich bescheuerter Vergleich, aber ich denke I made my point clear.

Nach dem Tod seiner Frau heiratet König Magnus die hübsche Ravenna – doch diese spielt ein falsches Spiel mit dem König, und tötet ihn noch in der Hochzeitsnacht. Gemeinsam mit ihrem Bruder Finn reisst sie die Macht im Königreich an sich. Durch Zauber und Menschenopfer bleibt Ravenna immer jung, sodass sie ihr Reich während mehreren Jahren mit ihren magischen Kräften im Griff halten kann. Bis die Tochter von Magnus, Schneewittchen, die eigentlich als Menschenopfer für Ravenna vorgesehen war, fliehen kann, und Ravenna mit einer Armee entgegentritt.

Für Regisseur Rupert Sanders ist Snow White and the Huntsman der erste Film, und auch wenn ich grundsätzlich dafür bin, dass man neuen Gesichtern eine Chance gibt – hier war es ein Fehlgriff. Sicher, Sanders kann der Geschichte von Schneewittchen einige neue Twists entlocken, letztlich ist der Film aber eine zusammenhangslose und an den falschen Punkten gekürzte Erzählung des Märchens. Über grosse Strecken versagt das Storytelling, die Geschichte hüpft von einem Schauplatz an den anderen, ohne wirklich vorwärtszukommen. So dürfen wir regelmässig zusehen, wie Charlize Theron böse Dinge tut, aber irgendwann verliert auch das seinen Reiz, denn dass die gute Frau böse ist, hat sowieso nie jemand angezweifelt.

Klar, Theron macht einen guten Job und gefällt als Rabenmutter (badumm-tss). Das tun aber alle irgendwie, selbst Kristen Stewart, und dennoch kann niemand dem flachen Drehbuch das nötige Flair entlocken – am ehesten vielleicht noch die unter anderem von Nick Frost, Ian McShane, Eddie Marsan und Toby Jones verkörperten acht (sic!) Zwerge, die gerade in dem überkitschten und grässlich von Mononoke Hime abgekupferten Märchenland aufblühen können. Sie sind es auch, die den Film im Mittelteil etwas aus dem Sumpf, in den ihn Sanders gefahren hat, ziehen können, aber bis zum Ende reicht es nicht. Zu sehr überwiegt die Gleichgültigkeit und zeitweilige Dämlichkeit des Plots (Oh hallo, weisses Pferd!), die bestenfalls durchschnittlichen Zwerge und die Enttäuschung über die viel zu kurzen und uninteressanten Schlachtszenen.

"You dare threaten me, Huntsman, with so puny a weapon?"

Snow White and the Huntsman hat viele gute Ideen – nur überzeugt davon keine wirklich. Ein Drittel Alice in Wonderland, ein Drittel Disney und ein Drittel Mononoke Hime – eine Mischung, von der man annehmen könnte, dass sie funktioniert, es aber erstaunlicherweise nicht tut. In anderen Jahren würde ein solcher Film dennoch Millionen scheffeln, aber nicht in einem Sommer, in dem Diktatoren, Rächer und schwarzgekleidete Agenten zeigen, wo’s lang geht.

  • Sascha

    Schreib ma längere Reviews. Details!

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  • maloney

    Schön dass wir etwa der selben Meinung sind ^^

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  • donpozuelo

    Ja, das stimmt, zu viele Ideen, zu wenig klare Linie. Das hat mich an dem Film auch am meisten gestört. Gestört hat mich auch, dass Werbefilmer Sanders zwischendurch immer sehr tolle Bilder hat, doch hält er das nie durch den ganzen Film durch… scheinbar ist da jemand immer noch auf 30 Sekunden Bild-Präsenz beschränkt 😉

    Naja, das Filme-Raten fand ich dann noch am besten am ganzen Film….

    Es ist auf jeden Fall ein netter Ansatz, nur ein bisschen mehr Tiefgang hätte ich mir schon gewünscht.

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  • Lukas

    Das steigert meine Vorfreude jetzt ja nicht gerade. Mhmpf. 🙁
    Aber danke für den Hinweis. Vielleicht sollte ich meine Erwartungen einfach etwas senken 😉

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  • Killerqueen

    Will mir den Film auch noch ansehen, gerade wegen der düsteren Stimmung, die der Trailer ankündigt. Bin jetzt durch das Review aber auch etwas skeptisch und vor allem gespannt, ob ich die Meinung mit dir teile. 🙂

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  • maloney

    Ich fand vor allem Kristen Stewart nicht gut!

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  • Alice

    Ich weiss immer noch nicht nach welcher Zählung man auf acht Zwerge kommt… Kann das mal jemand genauer auslegen? Das waren doch sieben?

    Ansonsten bin ich einverstanden ^^

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  • Dos Corazones

    Egal, wie ernüchternd doch alle Kritiken ausfallen, ich bin immer noch an dem Film interessiert. Irgendwie reizt mich dieses dunkle Flair aus dem Trailer noch immer sehr.
    Seine Millionen wird der Film trotz Schwarze Rächer, Spinnen aus der Nachbarschaft und Rächern scheffeln – alleine am Startwochenende in den USA gabs knapp 60 Millionen Dollar – Miss Stewart zieht eben.

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  • Damian

    Hätte, wie so oft, ein bisschen brutaler (sprich blutiger) sein können. Und mehr Szenen mit der Schwarzglass-Splitter-Armee. Die war cool.

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  • Julian

    Ich war mal in nem Theaterstück, da gab es nur 4 Zwerge, die anderen waren noch in der Miene und alle Schauspieler waren betrunken. Ein Wandertheater aus Holland. Soviel zu bescheuerten Ideen und 8 Zwergen. Ich werde mir beide Filme auf Blu-ray besorgen.

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