Pearl Harbor (2001)

PearlHarbor

„I fear all we have done is to awaken a sleeping giant.“

Der zweite Weltkrieg hat Europa fest im Griff – die Vereinigten Staaten haben sich aber bisher tunlichst aus diesem Konflikt heraus gehalten. Das ändert sich schlagartig, als die japanische Luftwaffe einen gnadenlosen Angriff auf den amerikanischen Stützpunkt Pearl Harbor startet. Michael Bays Weltkriegsdrama Pearl Harbor ist ein Film, bei dem jeder Nicht-Amerikaner verzweifelt den Kopf schütteln muss – und nicht nur, weil Ben Affleck die Hauptrolle spielt.

Mein Hauptkritikpunkt an diesem Film gleich vorweg: Ein Film, der Pearl Harbor heisst, endet, wenn Pearl Harbor fertig ist. Ein bisschen Epilog, mit Begräbnissen und Rumgeschluchze darf gern noch sein – aber das ganze Zeug mit der Doolittle Raid hätte ich nicht gebraucht. Vorallem, da uns Michael Bay den Einsatz, bei dem doch immerhin Bomben auf Japan geworfen wurden, so ganz undifferenziert zeigt. Mit Armeepropaganda à la Transformers oder patriotischer Selbstbeweihräucherung im Stile von Argo kann ich mich noch gerne abfinden, aber wenn Opfer unter den Teppich gekehrt werden und man generell darauf verzichtet, in so einer Frage einen nicht ganz so subjektiven Standpunkt einzunehmen, dann nerve ich mich tierisch.

Auch bei den Figuren versagt Pearl Harbor. Einerseits gibt es zuviele davon, von denen nur wenige wirklich etwas zum Film beitragen. Was zur Hölle ist die Aufgabe von Cuba Gooding Jr. in diesem Film? Andererseits schafft es Bay auch nicht, seine drei Protagonisten Affleck, Beckinsale und Hartnett vernünftig einzusetzen – die lasche 0815-Schnulze, die Bay da zur Rahmenhandlung aufbaut, ist höchstens lächerlich. Zum Glück entschädigt die Action für die strapazierten Nerven. Denn wenn Bay etwas hinbekommt, dann ist es die Action. Der Angriff auf Pearl Harbor ist packend und eine der faszinierendsten Actionszenen von Bay. Und das will etwas heissen.

Needs more Star Spangled Banners.
Needs more Star Spangled Banners.

Wenn sich Michael Bay für einen Film entschuldigen sollte, dann für den. Und nicht für Armageddon. Der war nämlich erste Sahne – Pearl Harbor dagegen ist einfach nur grässliche und vorallem schlechte Kriegspropaganda, auf die Bay noch eine extrem schnulzige Love Story schmiert.

3 Sterne

  • Dominik

    Das einzige, was ich bei dem Film in Erinnerung behielt war, dass ich ihn in der ersten Reihe im Kino ansehen musste. Den Untertiteln sei dank hatte ich danach ein Schleudertrauma.

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  • Stefan

    Vorne eine stunde und hinten eine halbe kürzen…. Und man einen tollen actionstreifen!
    Übrigens: cuba gooding jr. spielt einen matrosen, den es tatsächlich gab! Von daher, geschichtlich gesehen, eine der wenigen figuren, die eine berechtigung in dem film hat.

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  • Killerqueen

    Also filmtechnisch gesehen gebe ich dir natürlich absolut Recht, was den Film betrifft. Als Frau muss ich dazu noch etwas sagen: Es ist einer der schönsten Schmacht-Herzzerreiss-Heul-Filme aller Zeiten (so neben Titanic und so, kommt gut bei Liebeskummer als Teenager (spreche aus Erfahrung (Klammern in Klammern sind super!))) und deshalb würde ich persönlich in der Bewertung eeeeeetwas gnädiger sein. 😉 Er erfüllt halt ganz klar seinen Zweck. Niemand hat von Pearl Harbour ein episches Historien-Drama erwartet.

    Und achja, Er hatte sich für Armageddon entschuldigt? Interessant… hat ihm trotzdem Millionen eingebracht. 😀

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  • Andreas

    Nicht gesehen, werde ich sicher nicht nachholen.
    Patriotismus, Amerikanismus, Militarismus, Nationalismus machen Filme kaputt. Ein Film, der eine dieser Eigenschaften hat, wird NIE interessante Charaktere bieten können, denn schlussendlich muss jede einzelne Person in ein Schwarz-Weiss Schema passen, damit der Film diese „Bedingungen“ erfüllen kann. Kein Amerikanischer Soldat wird je (auch nicht von den Umständen gezwungen) schlechtes tun, kein böser Terrorist wird je ein sinnvolles Motiv haben, kein Präsident wird je Fehler machen.
    Darin liegt der Unterschied zwischen Man of Steel (Superman handelt immer perfekt) und The Dark Knight (Batman ist nicht immer der gute), zwischen Independence Day (Amerikaner gut, Aliens böse) und District 9 (Umstände sind bereits ein Dilemma, es existiert keine richtige Lösung) und so weiter.
    Leider nervt mich solches Zeugs auch enorm bei No-Brainern, die man ausschliesslich wegen der Effekte anschaut. Dass diese Filme auch ohne Patriotismus-Mist auskommen können, hat zum Beispiel Pacific Rim gezeigt.
    Und gerade wenn ein Film historische Ereignisse zeigt, wie Perl Harbor, dann MUSS er klar machen, dass die Welt nicht schwarzweiss ist.

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