Warum ich mir eine Daytrotter-Mitgliedschaft geholt habe.

Daytrotter

Damals als ich Daytrotter entdeckt habe, glaubte ich meinen Augen kaum: Exklusive ungeschliffene Musik-Sessions toller und mal mehr, mal weniger bekannter Musiker gratis zum Download. Einfach so. Es gab keinen Haken. Und das in unserer Zeit, wo es nichts für lau gibt. Ich lebte von diesen Sessions, lud mir immer wieder eine herunter und entdeckte Bands und Künstler, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Von denen vermutlich überhaupt niemand etwas gehört hatte. Das Ganze kam ausserdem mit interessanten Band-Porträts und schicken Album-Covern von Johnnie Cluney daher. Daytrotter war das Beste, was das Internet für einen Indie- und allgemeinen Musikliebhaber wie mich zu bieten hatte.

Irgendwann zeigte sich dann aber, dass eben nicht alles so lässig war, wie ich mir das vorstellte. Daytrotter wurde kostenpflichtig. Ein Skandal. Doch es war eigentlich abzusehen, denn so eine Sache lässt sich unmöglich ohne finanziellen Aufwand produzieren. Für 2 Dollar im Monat konnte man künftig auf das Angebot zugreifen, was ja eigentlich mehr als fair ist, alle anderen durften immerhin noch streamen. Doch mit Streamen ist es meiner Meinung nach wie mit Pornos: Ganz nett, aber auf die Dauer ungenügend – man steht schliesslich mit leeren Händen da. Und dass mir jetzt bitte keiner diesen Vergleich vertiefe. Also liess ich es, als Schüler und nicht-arbeitstätiges Wesen, das jeden Franken zweimal umdrehen musste, bleiben und verzichtete schweren Herzens auf die gute Musik. Ich verzichtete dabei, ganz unbewusst, auf viel mehr. Aber das war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar.

Mittlerweile verdiene ich und habe keine finanziellen Sorgen, wegen denen ich an allen Ecken und Enden sparen müsste. Und so beschloss ich, mir eine Daytrotter-Mitgliedschaft zu holen. Daytrotter war ein fester Bestandteil meines iPhones in den vergangenen Jahren, begleitete mich durch fröhliche Phasen, war aber auch in traurigen Momenten immer an meiner Seite und half mir, manches gebrochenes Herz zu vergessen. Für jeden Moment gab es die passende Session. Das mag jetzt kitschig oder übertrieben klingen, ist aber pure Wahrheit. Wenn ich musikalisch profitiert habe, dann durch Daytrotter. Verdammt, ich lernte da Dark Dark Dark kennen. Und wieviele Mixtapes wurden bereichert durch den ein oder anderen Track aus diesen Sessions. Ganz zu schweigen von den stundenlangen Diskussionen mit musikinteressierten Freunden über Bands und ihre Sessions.

Warum zur Hölle sollte ich so etwas nicht unterstützen, vorallem, wenn es noch einen zusätzlichen Nutzen hat? Ich kann wöchentlich aus 17 Sessions runterladen, was ich will. Nach Adam Riese sind das 867 kürzere Alben im Jahr. Was wiederum einer lächerlichen Ziffer von 24 Dollar gegenübersteht. Das ist ein mehr als fairer Deal. Und ein Deal, der jedem, der musikalisch interessiert ist, zu empfehlen ist. Auch, weil man damit ein Projekt unterstützt, das im Zeitalter von Spotify, iTunes und den zahlreichen illegalen Downloadmöglichkeiten beachtenswert und vorallem unterstützenswert ist.

Ruby Sparks (2012)

„One may read this and think it’s magic. But falling in love is an act of magic. So is writing.“

In letzter Zeit sind Filme über Autoren, deren persönliche Probleme im Konflikt mit ihrer Arbeit stehen, sind offensichtlich beliebt in Hollywood – Limitless oder The Words sind zwei aktuellere Beispiele. Das Konzept verspricht eine gewisse Ehrlichkeit und Echtheit, da die Autoren ja sicher wissen, worüber sie schreiben. So wirklich vom Hocker gehauen hat mich aber keiner der genannten Filme, und gerade dieser Konflikt wurde imho nur ungenügend thematisiert. Jonathan Dayton und Valerie Faris, die Regisseure von Little Miss Sunshine (ebenfalls mit Paul Dano), beweisen in ihrer nur zweiten Regiearbeit Ruby Sparks, dass es durchaus machbar ist, mit diesem Konzept einen schlauen Film zu produzieren.

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The Perks Of Being A Wallflower (2012)

„Why do I and everyone I love pick people who treat us like we’re nothing?“ – „We accept the love we think we deserve.“

Nach dem Ende der Harry Potter-Reihe stand eigentlich fest, dass es Emma Watson am leichtesten haben dürfte, im „richtigen“ Filmgeschäft Fuss zu fassen. Für die beiden anderen, männlichen Hauptdarsteller war es entweder zu schwer, weil sie das Gesicht der Filme waren (Daniel Radcliffe) oder einfach zu einzigartig aussehen, um eine andere Rolle glaubhaft zu spielen (Rupert Grint). Nach der Sichtung von The Perks Of Being A Wallflower bestätigt sich diese Vermutung, zumindest, was den weiblichen Teil des Zauberlehrlingtrios betrifft: Emma Watson hat definitiv eine interessante Zukunft vor sich, und muss sich keinesfalls Sorgen machen, auf die Rolle von Hermione Granger reduziert zu werden.

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Celeste and Jesse Forever (2012)

„He’s just going about everything so wrong.“ – „You want to be right or you want to be happy?“

Wusstet ihr, dass Rashida Jones einmal Jon Favreau datete? Ich auch nicht, aber ich habe es soeben gelesen, und war ziemlich schockiert. Um euch zu beruhigen: Es ist nicht der Iron Man-Regisseur, den ich meine, sondern ein Redenschreiber für Barack Obama. Aber mit dem ist die Tochter von Quincy Jones eh nicht mehr zusammen, und auch mit ihrem neuen Film Celeste and Jesse Forever hat das herzlich wenig zu tun. Aber ich fand, es ist eine nette Einleitung.

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SchweizerLeckerbissen.ch

Wer mich ein bisschen kennt, weiss, dass ich ein grosser Fan von aktueller Schweizer Musik bin. Nach Jahren der Flaute kommt der Indie nun in der Schweiz so richtig in die Gänge und manchmal fehlt mir da ein bisschen der Überblick. Zum Glück gibts aber die Seite SchweizerLeckerbissen.ch, die ebensolche auflistet – aus allen möglichen Genres. Und dafür, dass die Page recht jung ist, funktioniert das ganz gut, abgesehen mal von den rumhüpfenden Dropout-Dingern. Wer also im Bezug auf Schweizer Bands immer am Ball bleiben will, kommt an dieser Page sicher nicht vorbei.

IndieferneschweifTUNE

Erinnert mich stark an Charlie Winston, den landstreicherähnlichen Sänger mit der zeitweilen rauen Stimme. Ist es aber nicht. Ist Chief, eine amerikanische Truppe aus vier Kerlen, die aussehen wie die perfekte Mischung aus nem Cowboy, nem Indianer, nem Guru und Hurley aus Lost, und die Musik machen, die mich einfach wegzieht. An einen Ort an dem es viel schöner ist.

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Auch zu empfehlen: Der coldplayähnliche Rhythmustrack „Your Direction

Hörtipp: Orson

Wenn man White Stripes mit Billy Talent mischt, das alles gut durchschüttelt, bis das Ganze gleichmässig verteilt ist und noch eine Prise Mando Diao hinzufügt – dann kommt Orson raus. Purer Indie 🙂 Die Amerikaner von Orson habe ich damals kennengelernt, als sie die Charts mit „No tomorrow“ stürmten, einem echten Ohrwurm. Danach wurde es still um die Jungs, und sie gerieten – auch bei mir – in Vergessenheit. Letztens sprach ich dann mit einem Kollegen über Orson. Wenig später sah ich dann den Erstling der Band als reduzierte Scheibe im Laden und kaufte sie mir gleich.

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Momentan ist Orson meine Lieblingsband des Tages 😉 Schon das erste Stück der Platte „Bright Idea“ mit dem gleichen Titel reisst einen mit. Und als Background-Sound ist Orson echt cool. Mal was anderes als Yann Tiersen und Crepuscolo sul mare ist das alleweil.

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Hörtipps: Wir sind Helden / Noisettes

Ich bin sicher, dass schon manche meiner Hörtipps als „das kenn ich doch schon laaaange!“ aufgenommen wurden. Ist ja auch klar. Wir sind Helden ist ja auch ein alter Hut. Ich hab sie schon vor Jahren kennengelernt. Verliebt habe ich mich erst jetzt in sie. Trifft sich noch besser, dass meine Kollegin sie auch mag. Und davon wusste ich erst, als sie eine von mir auf Facebook verfasste Zeile von WSH komplettierte. Ich hatte schon länger einen Song von ihnen auf dem iPod, „Wir müssen nur wollen“. Das Lied hat es mir dann plötzlich angetan, der Sound war echt stark, und die – seeeehr simplen – Reime gefielen! Nicht zu vergessen, das Thema des Stücks. Zufällig entdeckte ich in der Schulmediothek zwei CDs „Die Reklamation“ und „Von hier an Blind“ von ihnen, die sofort ausgeliehen und fortan nonstop auf dem iPod liefen. Ihr möchtet meine Lieblingssongs wissen? „Müssen nur wollen“ – „Rüssel an Schwanz“ – „Zuhälter“ – „Aurélie“ – „Ausser Dir“ – „Nur ein Wort“. Beinahe jedes Lied gefällt mir und sicher habe ich das eine oder andere Stück vergessen.
Für alle die nun Wir sind Helden nicht kennen, hier eine Beschreibung: Eine deutsche Rock-/Popband, die sich musikalisch perfekt zwischen „Jennifer Rostock“ und „Grossstadtgeflüster“ einordnen lässt. Auch von den Texten her passen sie dort hin. Die sind nicht immer kreativ gereimt, haben dafür oft umso klarere Botschaften. Wir müssen nur wollen.

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The Noisettes (englisch ausgesprochen, als „the NOISEttes“) ist Punk, Blues, Jazz, Pop und Disco-Funk.  In einem. Aufgetreten in Montreux, aufgetreten im Vorprogramm von Muse und Bloc Party. Kennengelernt hab ich die Band gestern/heute, als ich sie in einem Trend-Magazin, das ich im Zug fand, entdeckte. Die Beschreibung gefiel mir sofort, sodass ich mich heute Morgen auf Youtube durch ihre Songs gewuselt hab. Die Stücke sind echt genial und es kommt oft vor, dass in einem Stück zwischen zwei oder drei Musikstilen geswitcht wird. So beispielsweise im Stück „Break Free“. Dort wechselt es von Blues allmählich in Punk/Indie.
Die ursprünglich aus Simbabwe stammende Sängerin und Bassistin Shingai Shoniwa erinnerte mich beim Aufschlagen des Heftes mit ihrem eigensinnigen unc leicht extravaganten Stil und dem selbstbewussten Blick an die junge Grace Jones. Deren Musik ähnelt jener von the Noisettes auch stark. Shoniwa verfügt über eine traumhafte Stimme, die von Amy Winehouse bis Katie Melua an jede gute Sängerin der Neuzeit erinnert. Einfach göttlich.

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Machn Punkt ausm Komma Komma Komma aufn Punkt

Göttliche Zeilen wie diese aus „Mach halt irgendwas“ finden sich in den Stücken der deutschen Indie-Kapelle Grossstadtgeflüster. Bekannt geworden mit „Ich muss garnix“ (Ich muss garnix ausser schlafen, trinken atmen und ficken… klingelts?) präsentiert die Gruppe auf ihren zwei Alben nur das Beste, was Musik zu bieten hat. Meine Sommermusik habe ich jedenfalls gefunden. Einen Mix aus Indie und Electronic kombiniert mit Jen Benders grossartiger Stimme.

Hörtipp!!

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Du könntest dieses, könntest jenes
Könntest sicherlich auch das
Eigentlich bist du dir ganz sicher
Doch dich stört noch irgendwas
Vielleicht wäre es ja besser
Das nochmal zu überdenken
Vielleicht wäre es ja besser
Sich ein wenig abzulenken
Hättest gern noch ein, zwei Stunden
Und ne Nacht zum drüber Schlafen
Weil du weißt dein Schicksal
Könnte dich schon allzubald bestrafen
Vielleicht hast du keine Ahnung
Vielleicht doch, vielleicht ein wenig
Vielleicht hast du einfach Schiss
Du gehst kaputt oder so ähnlich

Mach halt irgendwas…

Du könntest dieses, könntest jenes
Könntest sicherlich auch das
Aber wart mal kurz
Da war doch sicherlich noch irgendwas
Konzentriere dich und packe
Die Gelegenheit beim Schopf
Respektier dein Bauchgefühl
Doch folge lieber deinem Kopf
Du kannst vorwärts, rückwärts, rechts und links
Du kannst sogar nach oben
Aber schnell, sonst wirst du
Immer tiefer in den Sumpf gezogen
Doch du lässt noch einmal die Eventualitäten
Durch dein Köpflein kreisen

Der Konjunktiv ist nicht gesund, Punkt!
Mach’n Punkt, aus’m Komma, Komma
Kom’ma auf’n Punkt.
Er schrubbt dir die Synapsen wund, Punkt!
Mach’n Punkt, aus’m Komma, Komma
Kom’ma auf’n Punkt.

Der Konjunktiv ist nicht gesund, Punkt!
Mach’n Punkt, aus’m Komma, Komma
Kom’ma auf’n Punkt.
Er füttert deinen Schweinehund, Punkt!
Mach’n Punkt, aus’m Komma, Komma
Kom’ma auf’n Punkt.

Mach halt irgendwas…

Du könntest dieses, könntest jenes
Könntest sicherlich auch das
Und die Wahrscheinlichkeit besteht
Denn du, da geht noch irgendwas!
Doch dein Kopf ist voll
Mit hundertzwanzigtausend kleinen Pfeilen
Die in jede Richtung zeigen
Also nur nichts übereiln
Hätte, sollte, müsste, wäre
Könnte das die Lösung sein?
Doch es ist möglicherweise
Alles anders als es scheint
Viele Zweifel die akute
Überforderung verbreiten
Offensichtlich hast du
ernsthafte Entscheidungsschwierigkeiten

Du könntest dieses, könntest jenes
Könntest sicherlich auch das
Vielleicht sogar noch viel mehr
Wenn du den Zeitpunkt nicht verpasst
Sieh mal lieber auf die Uhr
Sie tickt und tickt und tickt und tickt
Bis der Groschen fällt
Der Funkte springt von hinten ins Genick
Jeder sagt dir was zu tun ist
mit hunderttausend Wörtern
Vielleicht solltest du versuchen
Dialektisch zu erörtern
Was soll dieses, was soll jenes
Und vor allen Dingen was soll das?
Vielleicht hälst du mal die Luft an
Alter, mach halt irgendwas!

Hier kann man die besten Stücke probehören!